logo pg ekm

AscheTagesimpuls: 17.02.2021, ASCHERMITTWOCH 

Gedenke Mensch, dass du aus Staub bist...

„Gedenke Mensch, dass du aus Staub bist, und zum Staub wirst du zurückkehren.“
Dieser Satz beim Auftragen des Aschekreuzes ist unverblümt, ja so direkt, dass wir es heute kaum noch in dieser Klarheit ertragen (wollen).
Deshalb werden stattdessen gerne die Worte gesprochen: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“
Diese Aufforderung ist natürlich viel unverbindlicher, fast so wie die Aufforderung zu guten Neujahrsvorsätzen: Wenn es nicht klappt, ist es auch nicht so schlimm.
„Gedenke, dass du Staub bist“: Mit unserer Geburt leben wir auf unseren Tod hin, fangen wir an zu sterben. Diese Tatsache verdrängen wir nur allzu gerne. Im Gegenteil: Wir arbeiten darauf hin, eben möglichst spät zu sterben und möglichst in bester körperlicher Verfassung:
Anti-Aging-Tips, Anti-Aging-Medikamente, Anti-Aging-Cremes ... . Wie heißt es in einem Bonmot: Jeder will alt werden, aber niemand will alt sein.
Krankheit und Sterben, Scheitern und Niederlage, Leid und Trauer gehören aber auch zu unserem Leben.
Das vergangene Corona-Jahr hat es uns gezeigt: Bei aller Forschungstätigkeit und medizinischen Anstrengungen haben wir es letztlich nicht in der Hand. Im Gegenteil: Wir sind Teil der Natur, die uns teilweise überlegen ist und uns Grenzen aufzeigt.
Staub bist du – das klingt brutal und fatal: Dann ist ja eh alles egal, oder?
Die Fastenzeit erinnert uns aber daran, dass nicht alles vorbei sein wird.
„Ich glaube an die Auferstehung und an das ewige Leben“ beten wir im Credo. Wie das auch immer aussehen wird: Das ist unsere frohe Botschaft.
Kann man das überhaupt noch so verkaufen in unserer aufgeklärten Welt?
Ich denke, mit dieser Perspektive auf der Basis von Glaube, Hoffnung und Zuversicht lässt sich doch vieles auch leichter aushalten: Klar, wir sind von Corona betroffen und es geht vielen dabei auch schlecht. Aber gerade in Deutschland jammern wir doch auf sehr hohem Niveau, wenn wir uns nur im Vergleich dazu einmal die Flüchtlingsdramen ansehen: Da kann man von einer verlorenen Generation sprechen, wenn Kinder überhaupt keinen Zugang zu Bildung haben, aber nicht bei uns, wenn wir meinen, dass irgendein Computerprogramm nicht hundertprozentig funktioniert.
Wenn wir uns alle nur ein bisschen zurücknähmen, könnten wir uns auch so manche Talkshow sparen, mancher Skandal entstünde dann gar nicht erst.
Vielleicht kann das ein Vorsatz in dieser Fastenzeit sein- und das auch nicht nur für die Katholiken: „Ein jeder stehe, wo er steht und tue seine Pflicht“ heißt es in dem Lied: ‚Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt‘.
Vielleicht sollten wir einfach mal zurücktreten von der „Ich-habe-Recht-auf-Mentalität“ und sich auf das konzentrieren, was gerade ansteht und gemacht werden muss; oder einfach mal mit gesundem Menschenverstand die Dinge angehen, z. B. einmal überlegen, wo denn auf einmal soviel Impfdosen für die ganze Menschheit in kürzester Zeit herkommen sollen.
Ich denke, da fällt jedem etwas ein.
Das wäre die Sache mit der Umkehr im Zusammenhang mit Aschermittwoch.
Und um zum Staub zurückzukommen: Ich nehme mir vor, jeden Tag in der Fastenzeit das Credo bewusst zu beten.
Denn nach dem Staub kommt das ewige Leben.
Peter Pospiech

­